{"id":316,"date":"2021-08-28T10:57:00","date_gmt":"2021-08-28T08:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/2022.birrer.swiss\/?p=316"},"modified":"2022-02-17T11:01:37","modified_gmt":"2022-02-17T10:01:37","slug":"28-08-2021-digitalisierung-und-die-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/birrer.swiss\/?p=316","title":{"rendered":"28.08.2021 &#8211; Digitalisierung und die Zeit"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Die zunehmende Digitalisierung dr\u00e4ngt den Faktor Zeit gegen Null.<\/strong><br><strong>Nur die Sterblichkeit macht uns bewusst, dass der Faktor Zeit eine Konstante ist.<\/strong><\/p><cite>Michael Birrer<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/2022.birrer.swiss\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/pocket-watch-3156771_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-318\" srcset=\"https:\/\/birrer.swiss\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/pocket-watch-3156771_1920-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/birrer.swiss\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/pocket-watch-3156771_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/birrer.swiss\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/pocket-watch-3156771_1920-768x512.jpg 768w, https:\/\/birrer.swiss\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/pocket-watch-3156771_1920-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/birrer.swiss\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/pocket-watch-3156771_1920-600x400.jpg 600w, https:\/\/birrer.swiss\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/pocket-watch-3156771_1920.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Zeit, zumindest mal in unserem Kontext, auf der Erde,<br>\u00fcber eine Lebensspanne von einigen Jahrzehnten, k\u00f6nnen wir<br>als relativ konstant bezeichnen. Konstant ganz im Sinne dessen,<br>dass die Gleichung v=s\/t =&gt; t=s\/v&nbsp; eingehalten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit ist mit all ihren physikalischen Eigenschaften hat auch<br>Einfluss auf unser Bewusstsein. So kann die Zeit pysische und<br>seelische Wunden heilen, sie kann vergessen lassen, sie gibt<br>Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Digitalisierung, im Sinne, dass man zunehmendes Daten elektronisch<br>abspeichert, dass man Kommunikationswege verk\u00fcrzt durch Videokonferenzen<br>oder Kommunikationsgeschwindigkeit durch Messengerdienste erh\u00f6ht.<br>Auch die Reaktionszeit auf Nachrichten und Mitteilungen hat sich massiv<br>ver\u00e4ndert. Kaum wird eine Mail nicht innert 4 Stunden beantwortet, folgt<br>bereits eine Whatsappnachricht, ob man die Mail gesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Digitalisierung hat jedoch auch die Eigenschaft, dass Daten bzw.<br>Informationen jederzeit und schnell abgerufen und pr\u00e4sentiert<br>werden k\u00f6nnen. Pr\u00e4sentiert im Sinne des Wortes: Pr\u00e4sent gemacht<br>werden, also auch so ins Bewusstsein gerufen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun <strong>ein Beispiel<\/strong>:<br>Mein Grossvater, heute ein \u00fcberdurchschnittlich alter Greis mit 60 Jahren, wurde<br>1625 geboren. Also in Mitten des dreissigj\u00e4hrigen Krieges (1618-1648). Als er<br>mit 17 Jahren meinen Vater bekam im Jahre 1642, war die Aussicht auf das<br>Ende des Krieges noch in weiter Ferne. Mein Urgrossvater, geboren 1600,<br>war ein eher ein Sp\u00e4tz\u00fcnder, durfte jedoch seine Jugendjahre noch<br>kriegsfrei erleben. Mein Grossvater erz\u00e4hlt uns heute zwar bruchst\u00fcckhaft<br>jedoch h\u00f6chst belebend, die Geschichten die er von seinem Vater zu h\u00f6ren bekam,<br>wie die Zeit vor dem Ausbruch des Krieges war. Wie er zu Hause schuften musste,<br>seine erste grosse Liebe mit 15 Jahren, und wie er mit 18 in die Armee eingezogen<br>wurde. Auf einem Streifzug, fern ab der Heimat, lernte er dann in einem Lazaret<br>seine k\u00fcnftige Frau kennen. Gef\u00e4rbt durch die Rosabrille, wirken die Geschichten<br>aus jener d\u00fcsteren Zeit schon beinahe romantisch. 1624 konnte mein Urgrossvater<br>dann aus der Armee austreten und hat eine M\u00fchle \u00fcbernehmen k\u00f6nnen und kurz<br>darauf kam dann auch mein Grossvater im Jahre 1625 zur Welt. Bewusst wahrgenommen<br>hat mein Grossvater den andauernden Krieg erst mit gut 10 Jahren und hat so noch<br>nie im Frieden gelebt. Als er dann die M\u00fchle seines Vaters 1640 \u00fcbernehmen konnte,<br>war er 15 Jahre alt und zwei Jahre sp\u00e4ter erblickte mein Vater das Licht der Welt.<br>So kannte mein Grossvater den Frieden nur noch vom H\u00f6rensagen und erlebte diesen<br>dann, als sein Sohn gut 6 Jahre alt war. Mein Vater erz\u00e4hlte mir immer voller stolz,<br>wir befinden uns heute im Jahre 1702, wie er im letzten Jahrhundert und dazu noch<br>im Krieg geboren wurde, im Sinne von: Ich war im Krieg mit dabei.<br>Meine Kinder, um die Jahre 1690 geboren, beeindrucken diese tollk\u00fchnen Kriegsgeschichten,<br>doch sind wir mal ehrlich: Mein Vater hat den Krieg nie bewusst miterlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so l\u00e4sst die Zeit das Geschehene vergehen und ver\u00e4ndert das was war,<br>mit jeder neuen Interpretation. Meine Grosskinder, und wir sprechen hier<br>von einem Zeitrahmen von gut 100 Jahren, werden einst ein v\u00f6llig anderes<br>Bild des 30J\u00e4hrigen Krieges haben, als wie es wirklich war.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Zeit, konstant und stetig l\u00e4sst Geschehenes hinter sich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als <strong>zweites Beispiel<\/strong>, ein etwas unsch\u00f6neres Kapitel des 20 Jh, jedoch wegweisend f\u00fcr die<br>\u201cElektronifizierung von Daten\u201d, war der zweite Weltkrieg mit Fokus auf Hitler und den<br>Holocaust. Hitler wusste als einer der ersten F\u00fchrer die Medien, vor allem<br>das aufkommende Fernsehen, das Radio und die Aufzeichnung dessen, sowie den<br>Buchdruck enorm gut zu nutzen. Was waren die Neuerungen zur Vergangenheit?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Informationen konnten A) sehr schnell verbreitet werden und B) konserviert und<br>jederzeit wiederholbar verf\u00fcgbar gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>So wundert es nicht, dass beispielsweise der Fernsehsender ARTE verh\u00e4ltnism\u00e4ssig<br>viele Dokumentationen zum Thema \u201cHitler\u201d und \u201czweiter Weltkrieg\u201d ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sieht man Dokumentation, Fotografien, Schriftst\u00fccke zu Ereignissen vor dem 20 Jahrhundert an,<br>so nimmt die Quantit\u00e4t verf\u00fcgbaren Quellenmaterials sehr schnell ab. Und geht man einige Jahrhunderte<br>in der Geschichte zur\u00fcck, so sind es meist einzelne Geschichtsschreiber wie Plinius oder Erasmus, die<br>aus Einzelinterpretation die Geschehnisse niederschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Fazit 1:<br>Der Faktor Zeit wird heute in diesem Sinne gegen Null ausgehebelt, da, wie im Beispiel 2,<br>der Holocaust dauernd pr\u00e4sent ins Bewusstsein gerufen wird. Die eigene Kindheit ist<br>bereits durch Fotob\u00fccher oder mehr noch Smartphones dauernd, trotz verlaufender Zeit,<br>immer und dauernd in der Hosentasche abrufbar und wiedererlebbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar kann man sich somit in einer konstant anhaltenden Euphorie durch gl\u00fcckliche Ereignisse<br>bet\u00e4uben und von der Realit\u00e4t ablenken lassen. Doch werden Narben schlechter verheilen, da man<br>sich heute auch dauernd im Mitleid suhlen kann und eine geistige Wundheilung negativer<br>Geschehnisse nicht abgeschlossen wird. Ganz zu schweigen, unabh\u00e4ngig der emotionalen Wertung<br>der Ereignisse, kann man sich im Digitalen vor der Realtit\u00e4t verstecken und sich in dieser verlieren,<br>ohne sich der verf\u00fcgbaren Zeit in der Natur, im Hier und Jetzt, bewusst zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit 2:<br>Weniger Digitalisierung im Privaten f\u00fchrt zu mehr Selbst-Bewusstsein im Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zunehmende Digitalisierung dr\u00e4ngt den Faktor Zeit gegen Null.Nur die Sterblichkeit macht uns bewusst, dass der Faktor Zeit eine Konstante ist. Michael Birrer Die Zeit, zumindest mal in unserem Kontext, auf der Erde,\u00fcber eine Lebensspanne von einigen Jahrzehnten, k\u00f6nnen wirals relativ konstant bezeichnen. 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